V-Mann-Skandal: Neonazi betreibt Kneipe in Lünen-Süd

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Lünen. Der Neonazi und V-Mann des Verfassungsschutzes Sebastian Seemann aus Lünen betreibt zusammen mit Benjamin Seemann, die Kneipe „Störtebeker“ in der Jägerstraße 21 in Lünen-Süd. Dies teilte die Antifaschistische Aktion Lünen, organisiert in der Antifa UNited, in einer Pressemitteilung mit. Der vielfach vorbestrafte Seeman sitzt zur Zeit in Untersuchungshaft. Er steht in Verdacht mit Kokain und Waffen gehandelt zu haben. Außerdem soll er einen anderen Neonazi zu einem Raubüberfall auf einen Dortmunder Supermarkt im Februar diesen Jahres angestiftet haben. Ein Mensch wurde durch Schüsse schwer verletzt. Der Täter Robin Sch. sagte vor Gericht aus, Seemann habe im die Waffe gegeben, um Geld, welches er bei einem Drogengeschäft verloren hatte, wieder zu beschaffen.

Organisator von „Blood & Honour“-Konzerten und Szene-Aktivist
Sebastian Seemann ist in der Neonazi-Szene kein Unbekannter. Der 27-jährige gehörte dem Umfeld der Skinhead-Band „Oidoxie“ aus Dortmund-Brechten an und nahm an verschiedenen Aufmärschen der Szene teil. Er gehörte zu den Organisatoren des „Ian Stuart Donaldson-Memorial Concert“ in Belgien. Jedes Jahr ehren Neonazis den verstorbenen Sänger der Kultband „Screwdriver“ und Gründer des „Blood & Honour“-Netzwerkes. Die deutsche Sektion der Organisation war 2000 vom Bundesinnenministerium verboten worden. Sebastian Seemann fungierte 2004 und 2006 als offizielle Kontaktperson für die Konzerte. Erlöse aus dem Konzert 2004 spendeten die Organisatoren an die „Kameradschaft Dortmund“, die sich von dem Geld eine eigene Lautsprecheranlage kauften. Am 14. Oktober 2006 besuchten über 1500 Neonazis das ISDM-Konzert, das so eines der größten RechtsRock-Konzerte europaweit wurde. Seemann betätigte sich auch am Ausspionieren des politischen Gegners, in der Szene „Anti-Antifa-Arbeit“ genannt. Er mischte sich unerkannt unter die Teilnehmer einer antifaschistischen Demonstration am 8. Mai 2005 gegen den Neonazi-Laden „Donnerschlag“ in Dortmund. Am Ort der Abschlusskundgebung zog er seinen Pullover aus und provozierte, nun in einem rechten T-Shirt mit der Aufschrift „Terrormachine“bekleidet die Teilnehmer. Die Polizei nahm ihn vorläufig fest. Zudem versuchte er am 13. September 2004 in eine Informationsveranstaltung des „Bündnis gegen Rechts“ in Dortmund zu gelangen. Sebastian Seemann ist ein überzeugter Neonazi. Daran ändert seine spätere Anwerbung durch den Verfassungsschutz und seine kriminelle Laufbahn nichts. Bei seinen ehemaligen „Kameraden“ gilt Seemann wegen seiner V-Mann-Tätigkeit nun als „Verräter“.

Rocker-Kneipe Störtebeker in Lünen-Süd

In Lünen gelang es ihm aber eine bürgerliche Fassade aufzubauen. Er eröffnete dort die Rock-Kneipe „Störtebeker“. Politische Inhalte vermied er bewusst. In der Kneipe spielten sich selbst als unpolitisch bezeichnende Bands. Seemann gelang es, sich in Lünen einen Rückzugsort für seine kriminellen Geschäfte und Neonazi-Aktivitäten zu schaffen.Hinter der harmlosen Fassade verberge sich aber eine „Nazi-Kneipe“. Die AntifaschistInnen: „Wenn der Betreiber einer Kneipe ein bekennender Neonazi ist, dann ist seine Gaststätte eine ‚Nazi-Kneipe‘, ganz gleich ob dort offen politische Inhalte vertreten werden oder nicht. Die Gewinne fließen in die Taschen der Neonazis. Wir rufen alle Lünener Bürgerinnen und Bürger auf, ihr Bier nicht bei Neonazis zu trinken. Unterstützen Sie keine Neonazis mit ihrem Geld“

V-Leute-System abschaffen!

Das ein schwer krimineller Neonazi und mutmaßlicher Waffenhändler wie Sebastian Seemann, der zudem im angrenzenden Ausland Konzerte für eine in Deutschland verbotene Gruppe organisiert, im Sold des Verfassungsschutzes steht ist ein Skandal. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt zudem gegen einen noch unbekannten Verfassungsschützer wegen des Verdachts des Geheimnisverrates und der Strafvereitlung. Er soll Seemann von polizeilichen Ermittlungen gegen ihn gewarnt haben. Dieser Skandal zeigt einmal mehr, dass das V-Mann-System abgeschafft gehört. Es dient augenscheinlich eher dem Schutz der Neonazis. Auch das NPD-Verbotsverfahren musste aufgrund der V-Leute eingestellt werden. Es ist aber ein Irrtum zu glauben, V-Leute seien keine Neonazis. Die Antifa Lünen: “Es ist ja nicht so, dass die Behörden Mitarbeiter in die Szene einschleusen. Sie werben die Neonazis an. Neben Geld scheint der Verfassungsschutz ihnen auch einen ‚besonderer Schutz‘ vor Strafverfolgung zu bieten.“

Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung der Antifa Lünen vom 11.09.2007

Aktuelle Presseberichte (Auswahl):

WAZ vom 13.09.07

WR vom 12.09.07
WDR vom 13.09.07